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Lehramt Gymnasium, Katharina

Schon oft habe ich von Pädagogen den Satz gehört, dass ein Mensch, der LehrerIn werden will, junge Menschen lieben muss und nicht ein Fach. Ich glaube, man muss (junge) Menschen und seine Fächer lieben, und man muss lernen, diese Liebe ein LehrerInnenleben lang nicht zu verlieren. Und das ist gar nicht so leicht, wie es sich anhören mag. Denn im anderen Teil des Lebens, das nicht der Beruf ist, können alte Lieben ja auch rosten und scheitern. Und was ist zu tun, damit ein/e LehrerIn nie aufhört, die SchülerInnen und die eigenen Fächer, sprich den Beruf, zu lieben? Ich glaube es gibt ein paar Dinge, die man sich vor der Berufswahl unbedingt klar machen muss, damit man eine zufriedene, gute Lehrkraft wird. Und es gibt dazu noch günstige Voraussetzungen, von denen eine lebenslang zufriedene und begeisternde Lehrkraft wenigstens ein paar mitbringen sollte. Daneben gibt es dann all die Methoden, Regeln, Kniffe usw., die man wie in jeder Berufsausbildung lernen kann.

Wenn man LehrerIn werden will, muss man sich von Anfang an klar machen, dass man es im staatlichen Schulsystem nicht mit einzelnen jungen Menschen zu tun hat, die nur darauf warten von mir in meinen Lieblingsfächern beschult und begeistert zu werden und die jede meiner Erklärungen sofort verstehen, alle von mir präsentierten Inhalte beglückt lernen und kompetent anwenden können. In einer Gruppe (und eine Schulklasse mit 30 Kindern ist bei aller Verschiedenheit eine Gruppe) verhalten sich Menschen nach anderen Regeln als das Individuum ohne Gruppe. Und LehrerInnen stehen „auf der anderen Seite“ der Gruppe, noch dazu in einem Alter (am Gymnasium zwischen ca. 9 und 18 Jahren), in dem Kinder naturgemäß gegen die sie erziehen wollenden Erwachsenen den Aufstand proben. Natürlich sind LehrerInnen auch manchmal Vertrauenspersonen, Helfer, Vorbilder, gesuchte ExpertInnen für die Jugendlichen, aber eben nicht in erster Linie.

Man darf sich eine Gymnasialklasse heute auf keinen Fall als wissbegieriges Kollektiv vorstellen. Abgesehen von der ganz normalen Individualität jedes Menschen, sind die Lerngruppen bei einer Übertrittsquote von heute ca. 40% auch am Gymnasium sehr heterogen. Darauf muss man sich einstellen (wollen) und möglicherweise sogar einen positiven Reiz darin sehen. Und während unsere SchülerInnen immer im gleichen Alter sind, wird die Lehrkraft mit den Jahren älter. Der Charme der Jugendlichkeit muss auf die Dauer anderen Qualitäten Platz machen, während das Bemühen, junge Menschen und die Dinge, die ihre Teenagerwelt ausmachen, zu kennen und in den Unterricht einzubauen, nie aufhören darf.

Man kann in vielen Bereichen lernen ein/e gute/r LehrerIn zu sein, aber ich glaube es gibt ein paar wichtige günstige Voraussetzungen, damit dieses Vorhaben gelingt, ohne sich ständig überfordert zu fühlen, ohne gegen das eigene Naturell ankämpfen zu müssen. Ich will versuchen einige Aspekte (in beliebiger Reihenfolge) aufzuzählen. Man muss das vielleicht nicht alles mitbringen und mögen, aber wenn man von dieser Liste gar nichts ohne Probleme tut, dann sollten die Alarmglocken schrillen:

  • früh aufstehen
  • Pünktlichkeit
  • Organisationstalent
  • Genauigkeit
  • Geduld
  • Humor
  • rasches Urteilsvermögen
  • Selbstbewusstsein im Umgang mit anderen Menschen (aller Altersgruppen)
  • Bereitschaft streng zu sein, Grenzen zu setzen, Anleitung zu geben
  • Selbstdisziplin (sehr viel arbeiten, auch wenn man sich gerade nicht in der Schule befindet: unterrichtsfreie Zeit ist nicht Freizeit!!!)
  • Toleranz (gegenüber unterschiedlichen Interessen, Talenten, Religionen etc.)
  • hohe Frustrationstoleranz
  • extrem hohe Multitaskingfähigkeit
  • lebenslange Fortbildungsbereitschaft
  • Unterhaltungstalent, um nicht zu sagen Entertainerqualitäten
  • gerne im Mittelpunkt des Interesses stehen
  • bei Bedarf gerne mal Reiseleiter, Wanderführer sein

All das gehört zum Berufsalltag von GymnasiallehrerInnen und wahrscheinlich wird jeder/m Kollegin/en, der das liest, mindestens noch eine wichtige Ergänzung einfallen. Ich will es mal dabei belassen und schließen mit dem, was ich an meinem Beruf liebe: Ich habe mich immer beruflich und privat für die Dinge interessiert, die ich unterrichte und bin froh, dass ich tagtäglich damit zu tun habe. Ich habe einen Beruf, der mir viel Gestaltungsfreiheit lässt und übernehme sehr gerne die Verantwortung, die er mir abverlangt. Ich bin tagtäglich in Kontakt mit offenen, interessanten, liebenswürdigen Menschen (meinen SchülerInnen und meinen KollegInnen), mit denen es nie langweilig wird. Ich habe (jedenfalls ist das jetzt noch so) einen sicheren Beruf und ein gutes Gehalt – das ist schließlich auch nicht unwichtig. Und ich lerne jeden Tag dazu.

Zum Abschluss noch ein Satz von einem der führenden pädagogischen Psychologen Deutschlands:

„Erfolgreicher Unterricht kann auf sehr verschiedene, wenn auch nicht beliebige Weise realisiert werden.“ —Franz E. Weinert, 1997

 

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