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Lebensmittelchemie, Anne

Anne Zartmann, Jahrgang 1997, kommt ursprünglich aus der Nähe von Heilbronn in Baden-Württemberg. Nach ihrer natur- und sozialwissenschaftlich geprägten Gymnasialzeit studierte sie an der FAU Lebensmittelchemie – ein sehr alltagsrelevantes MINT-Fach, in dem es an der FAU mehr weibliche als männliche Studierende gibt. Nach neun Semestern machte sie ihr Staatsexamen und schrieb ihre wissenschaftliche Abschlussarbeit unter anderem über Omega-3-Fettsäuren in Nahrungsergänzungsmitteln. Sie steht kurz vor der Promotionsphase und ist völlig aufgeschlossen, was ihr Berufsleben betrifft.

Mit einem Roboter fing die Liebe zu MINT an „Naturwissenschaften haben mir in der Schule einfach viel Spaß gemacht. Das habe ich schon in einem Seminarkurs gemerkt, als wir einen Roboter bauten. Erst kam die Theorie, dann löteten wir Bauteile zusammen und programmierten auch ein bisschen.
Mit Hilfe von theoretischen Grundlagen zu verstehen, wie das Ganze zusammenhängt und dadurch etwas zum Funktionieren zu bringen – das fand ich toll! Was ich studieren wollte, überlegte ich erst kurz vor dem Abi. Klar war, dass es ein naturwissenschaftliches Fach mit einem greifbaren Bezug sein sollte. Lebensmittelchemie sprach mich an, weil ich mich schon immer für Lebensmittel und Ernährung interessiert habe. Außerdem stellte ich es mir sehr spannend vor, im Labor zu arbeiten. Ich habe mich auch noch für ein, zwei andere Fächer und auch an anderen Universitäten beworben, aber gelandet bin ich bei meinem Favoriten.“

Warum Lebensmittelchemie?

„Viel über Lebensmittel zu wissen, ist auch für den Alltag interessant und wichtig: Zum Beispiel welche Vitamine wo in der Nahrung enthalten sind, wie bestimmte Lebensmittel hergestellt werden, oder wie die verschiedenen Nährstoffe verstoffwechselt werden. Was mir außerdem gut gefällt, ist die Analytik, also wie man bestimmte Stoffe in Lebensmitteln identifizieren und quantifizieren kann. Im Labor haben wir im Hauptstudium etwa den Koffeingehalt in Kaffee, verschiedene Mehltypen oder auch den Fettgehalt in der Wurst untersucht.“

An der FAU …
„… sind wir ein recht kleiner Studiengang von etwa 15 Leuten gewesen. Dadurch kannten wir uns natürlich alle untereinander und auch unsere Assistent*innen im Labor gut. Wir hatten ab dem Hauptstudium ein großes, gut ausgestattetes Labor für uns allein und wurden so in die Analysegeräte eingewiesen, dass wir schon ziemlich eigenständig daran arbeiten und dadurch auch viel lernen konnten. Auch der Zusammenhalt unter den Studierenden war klasse: Ich war froh, mit Mitstudierenden lernen zu können. Wir haben uns gegenseitig immer wieder Mut gemacht!“

In meiner Abschlussarbeit …

„… habe ich unter anderem eine Methode zur Bestimmung von Omega-3-Fettsäuren in Nahrungsergänzungsmitteln entwickelt und dann auch knapp 40 Proben auf den deklarierten Gehalt der Omega-3-Fettsäuren untersucht. Dazu wiegt man zunächst die Probe – meist Fischöl – ab und setzt anschließend bestimmte
Chemikalien zu, damit die einzelnen Fettsäuren später trennbar sind und um sie einzeln quantifizieren zu können. In einem Gas-Chromatographen werden alle Fettsäuren der Probe – die besteht aus weit mehr als nur den Omega-3-Fettsäuren – im gasförmigen Zustand voneinander getrennt. Im Massenspektrometer erzeugen die einzelnen Fettsäuren ein Signal. Durch den Vergleich der Signale der Probe mit Signalen von Lösungen bekannter Konzentrationen an Omega-3-Fettsäuren kann der Gehalt in der Probe berechnet werden.“

Fachlich, aber locker netzwerken!

„Ich fand die Veranstaltungen der „Arbeitsgruppe Junge Lebensmittelchemie“ an unserem Standort immer sehr informativ. Bei Stammtischen, die jedes Semester stattfanden, konnte man sich mit Studierenden aus anderen Semestern austauschen. Bei anderen Informationsveranstaltungen erfuhr man, welche Möglichkeiten man nach dem Studium hat oder wie eine Promotion an den verschiedenen Lehrstühlen aussehen kann.“

Neben der Uni …

„… mache ich Sport als Ausgleich zu den vielen Stunden, die ich im Labor verbringe. Ich gehe gerne Laufen und spiele Fußball. Derzeit trainiere ich in einer Frauenmannschaft in Erlangen. Die frische Luft tut mir gut und hilft mir abzuschalten. Aber ich koche auch gern mit Freunden.“

Aller Anfang ist schwer …

„Für mich war vor allem das erste Semester und der Umstieg von Schule auf Uni eine Herausforderung. Das war viel mehr Stoff, als ich es von der Schule gewohnt war. In einigen Fächern war es zunächst schwer mitzukommen. Da kam es auch schon mal vor, dass ich eine Klausur wiederholen durfte. Aber das ist kein Drama. Auch im Labor zu stehen und mit Chemikalien zu arbeiten, war anfangs gewöhnungsbedürftig. Was mich mitunter genervt hat, war, wenn Versuche auch nach dem fünften oder sechsten Mal einfach nicht klappen wollten und man keine Ahnung hatte, wieso. Da erweitert man seine Frustrationstoleranz im Laufe der Zeit. Irgendwann hat es dann aber doch immer geklappt.“

Dieser Bericht ist im Rahmen der Publikation "MINT - The Sky is the limit" erschienen. Interview und journalistische Umsetzung: Dr. Susanne Stemmler, Foto: Guilia Iannicelli

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